• Stefanie Klever

Weingut Kilian Hunn

Gottenheim am Tuniberg, Baden-Württemberg



Haben Sie sich eigentlich schon einmal Gedanken darüber gemacht, was für Sie einen richtig guten Wein ausmacht? Worüber denken Sie nach, wenn Sie zur Weinprobe eingeladen sind und erwartungsvoll am Glas nippen? Die bestechende Reintönigkeit? Das anmutige Bukett? Ein langes Finish?


Oder erwischen Sie sich bei dem Gedanken an Ihre längst überfällige Steuererklärung und an das Geschenk, dass sie noch für Tante Reni´s 80sten besorgen müssen? Ich sage Ihnen, ein guter Wein lässt keinen Platz für abschweifende Gedanken.


Ein wirklich guter Wein muss mich in meinen Grundfesten erschüttern. Mit ihm werfe ich alle Vorurteile über Board. Er muss zeigen was in ihm steckt, ohne sich aufzudrängen. Ein guter Wein braucht Selbstvertrauen. Hand aufs Herz, so einen Wein finden wir im Einstiegsniveau äußerst selten. Bei Kilian Hunn und seiner Frau Martina aus Baden ist das allerdings völlig anders.



Irgendwo zwischen großem Erstaunen und Sprachlosigkeit, befand ich mich beim ersten Glas des Hunn Tastings in der letzten Woche mit den Worten „Was kann denn da jetzt noch kommen?“. Große Ratlosigkeit in der Runde. Hatte ich die Reihenfolge falsch geplant? Was hab ich denn da bloß im Glas? Mein Blick fällt auf die Flasche. Ein 2018er Rivaner. „Ein Müller-Thurgau?“ Nein, das kann nicht sein. Während die Anderen heiter und immer fröhlicher den „Einstiegswein“ in höchsten Tönen loben, durchkämme ich sämtliche Unterlagen. Ich schaue mir die Flasche an, ziehe mich für einen Moment diskret zurück. „Himmel, das ist wirklich ein Rivaner!“. Mir war bis zu diesem Zeitpunkt absolut nicht klar was diese (zu Unrecht!) verkannte Rebsorte leisten kann. Wenn das nun der Auftakt und die Messlatte ist, mit der Martina und Kilian an Ihre Produktion gehen, dann werden wir den deutschen Wein zukünftig ganz sicher sehr häufig auf internationalem Parkett sehen, soviel steht fest.


Das relativ junge Weingut Hunn, 1983 von den beiden Winzern Martina und Kilian Hunn ins Leben gerufen, bewirtschaftet auf 24 Hektar eine der sonnenverwöhntesten Lagen Deutschlands. Angesiedelt als einzige deutsche Weinbauregion in der europäischen Weinbauzone B, gedeihen Ihre Reben dank Löss und bestem Mikroklima auf demselben Niveau wie die der Champagne. Bessere Bedingungen finden Sie in Europa eigentlich nur noch in Bordeaux. Was bei den Hunns´wächst kann sich sehen lassen. Mit großer Akribie werden die Trauben in den frühen Morgenstunden bei kühlen Temperaturen von Hand geerntet. Der Löss Boden macht eine Bewässerung unnötig, was schöne Fruchtnuancen aus jeder einzelnen Traube herauskitzelt.


Kilian Hunn versteht sein Handwerk. Durch die schonende Verarbeitung der Trauben braucht Kilian nur dann einzugreifen, wenn es wirklich notwendig ist. Er ist ein ausgezeichneter Kellermeister, mit dem nötigen Feingefühl für ein gutes Timing.


Doch warum war ich nun ausgerechnet schon bei dem Rivaner hin-und-weg?

Mit 12% Alkohol und 5,7 Gramm Säure gehört er durchaus zu den knackigeren Vertretern seiner Art. In der Nase sehr jung und frisch mit schönen Nuancen von Aprikose und Limette. Glücklicherweise kaum Muskat, dafür leicht exotisch mit floralen Einschlägen und einer minimalen (eigentlich kaum existierenden, aber dennoch wahrnehmbaren) Perlage und einem Hauch Schmelz. Dazu ein schöner langer Abgang. Was für ein Wein! Er erinnerte mich an die großen Sauvignon Blancs aus Neuseeland, an temperamentvolle Chardonnays aus Westaustralien und an Chenin Blancs aus dem Loire Tal. Was diesem deutschen Wein so unfassbar gut tut, sind seine Ecken und Kanten. Es braucht viel Vertrauen in das Produkt um solch außergewöhnlichen Rivaner auf den Markt zu bringen. Diese Ausgestaltung durch Martina und Kilian hat einen exzellenten Terrassenwein für stark gehobene Ansprüche hervorgebracht…und ja, er hat meine Sichtweise auf den Müller-Thurgau verändert und mich in den Grundfesten wachgerüttelt. Hoffen wir eines Tages auf die „sur lie“ Variante dieses großartigen Weines.


Wie Sie sich denken können, gestaltete sich fortan das Tasting der Hunn Weine extrem erwartungsvoll. Doch wer hoch fliegt kann auch tief fallen. Mit dieser Prise Angst im Nacken, erlebten wir eine sehr anspruchsvolle Verkostung durch das gesamte Sortiment. Sie schmecken die sonnenverwöhnte Lage, die facettenreichen Aromen und die Komplexität in der gesamten Range. Wie ein roter Faden zieht sich die Handschrift der beiden Winzer durch das Sortiment. Selbstbewusst und elegant trat vor allem der Grauburgunder aus dem Jahr 2015 ins Rampenlicht. Als Teil der Reserve Range lag er 11 Monate in französischer Eiche. In der Nase würzige Aromen mit einem Hauch Vanille und Cassis. Am Gaumen durchaus dezenter und eine Spur eleganter ohne dabei in irgendeiner Form langweilig zu sein. Sehr weich, sehr rund und harmonisch mit einer schönen Mineralik und mit einem traumhaft langen Finish. Ein Wein von Weltklasse, der sicherlich noch 10 Jahre Lagerpotential hat.


Martina und Kilian Hunn legen viel Energie in die Sensorik. Sie stellen ihr Weingut international auf und verkosten regelmäßig Weine aus allen Teilen der Welt. Ich erlebte sie am Puls der Zeit mit einem schönen Bewusstsein für ihre badische Heimat und für all das, was sie künftig an ihre Söhne weitergeben werden.




Stefanie Klever Oktober 2019


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